Riots gegen den Rassismus des 21. Jahrhunderts

Aus aktuellem Anlass stellen wir hier die Übersetzung der Broschüre: “Ferguson: Mike Brown & die Riots gegen den Rassismus des 21. Jahrhunderts” ein. Sie stammt aus dem autonomen Blättchen Nr. 19 und behandelt Hintergründe und den Ablauf der Proteste und Aufstände im August diesen Jahres.

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Rassistische Spannungen in Missouri

Die rassistischen Spannung und Trennung sind konstant in der Geschichte Missouris. 1820 wurde der Missouri-Kompromiss verabschiedet, der Missouri als Sklavenstaat anerkannte, um das „Gleichgewicht der Macht“ zwischen Sklaven- und freien Staaten im Kongress zu bewahren. St. Louis war eines der Haupt-Auktions-Zentren, wo Geschäftsleute und Einzelpersonen Sklaven kaufen und leihen konnten. Im frühen 20. Jahrhundert stieg, aufgrund seines Industriezentrums und dem Reiz von Fabrikjobs die Afrikanisch-Amerikanische Immigration nach St. Louis an. Es kam zu Ressentiments und Spannungen von Weißen gegen die schwarzen Migrant_innen. Schließlich kochten die Spannungen im Sommer 1917 über, als weiße Mobs begannen, Feuer in den Häusern der schwarzen Siedlungen zu legen.Continue Reading

Unser Terrorismus-Tabu

Von Georg Meggle

Philosophischer Versuch zur Klärung und zur Verwendung des Terrorismus-Begriffs

The only hope of ever winning the “war on terrorism” lies in ceasing to invest in its bankrupt philosophy. – Jackson 2005

Mit diesem Beitrag verfolge ich drei Ziele: (1) Ich will erklären, was Terrorismus ist (T-Semantik); (2) ich will zeigen, an welchen Merkmalen unserer Verwendung dieses Begriffs es liegt, dass “Terrorismus” zu dem Kampf- und Killerbegriff par excellence avanciert ist (T-Pragmatik); und (3) ich will abschließend deutlich machen, dass mit dieser Diagnose bereits alles Nötige zur Erklärung unseres “Terrorismus”-Tabus gesagt ist.[1]Continue Reading

African Anarchism: An interview with the late Sam Mbah

AntiNote: This is a full transcript of an interview with Sam Mbah, recorded in March 2012 in Enugu Nigeria by Jeremy of the Jura Books Collective – an anarchist collective based in Sydney Australia. Sam Mbah, author of “African Anarchism”, a lawyer, activist and journalist passed away on November 6 2014, after complications arising from his heart condition. The world is worse without him. Many comrades and activists around the globe will be saddened to hear of this loss. Our thoughts are with Sam’s family and friends. We send our sympathy and condolences.

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Jeremy: It’s been about 15 years since the publication of your book on the prospects of anarchism in Africa. What is there, if anything, that comes to mind that you would add to or change about the book, and the ideas that you presented in it?

Sam: Yeah, I want to look at the ideas that I would add, not really change. Ever since the publication of the book I have been collecting additional materials that I stumble upon in the course of my writings and research. I think there is room for additions to the book, not really much to change, or subtract from the work. I think there is room for additions to the book, and this is something I have already started in the sense that in the Spanish edition that came out in 2000, I wrote an extensive foreword, wherein I tried to articulate some of the points we missed in the original book. I tried to look at more African societies that shared the same characteristics and features as the Igbo, the Tiv, the Efik, the Tallensi and the multiplicity of tribes and social groups that we have in Nigeria that I have already mentioned in the book. I also tried to explore other groups in other parts of the world especially Latin America, and I was able to draw some parallels between their social existence and systems of social organization, and the characteristics and features of anarchism, as I understand it.Continue Reading

Offener Brief an die Mutter von Rémi Fraisse

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3. November 2014

Ich schreibe Ihnen diesen Brief zu einer Zeit, in der gewaltsame Proteste in Paris verdammt und friedliche Sit-ins gepriesen werden.

Ich habe meinen Bruder verloren unter Bedingungen, die denen ähnlich sind, in denen Sie Ihren Sohn verloren haben. Mein Bruder, der sich so sehr um meine Mutter gekümmert hatte, hat uns verlassen und wird nicht wiederkommen. Der Verlust meines Bruders hat mir einen immensen Schmerz zugefügt, den ich jedes Mal wieder spüre, wenn der Staat tötet. „Wo die Gefahr wächst, wächst das Rettende auch“, hat jemand gesagt. Jedes Mal wenn der Staat tötet, ist auch eine Gelegenheit, ihn zu stoppen, ihn zu zwingen, sich zu ändern, und allen anderen die verlorene Würde wiederzugeben.Continue Reading

After Gezi: Erdoğan And Political Struggle In Turkey

Political struggles over the future of Turkey have left the country profoundly divided. Former Prime Minister, now President, Tayyip Erdogan, has fueled growing polarization through his authoritarian response to protests, his large-scale urban development projects, his religious social conservatism, and most recently, through his complicity in the Islamic State’s war against the Kurdish people in Northern Syria.

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Köln: “Hier marschiert der nationale Widerstand”

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Der rechts anpolitisierte Stammtischdeutsche braucht nicht viel, um zur Tat zu schreiten. Ein klares Feindbild, ein paar Dosen Bier und einige Kameraden mit ähnlicher Gesinnung, und schon kann´s losgehen. Als imaginierter Gegner durfte diesmal der „Salafist“ herhalten, den die „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) als den für die Unbill des deutschen Volkes verantwortlichen Schädling ausgemacht haben. Dass mit „Salafist“ einfach „Ausländer“ gemeint war, konnte man schon im Vorfeld in diversen Foren der Promillekreuzritter nachlesen. Also auf nach Köln.Continue Reading

Fascism Inc: Greece and the Rise of the Extreme Right in Europe

In Greece and other European countries, economic elites have been supporting fascist parties in order to enforce a radical neoliberal agenda in the crisis, says Aris Chatzistefanou, journalist and filmmaker from Athens, director of “Debtocracy”, “Catastroika” and “Fascism Inc”.Continue Reading

Supporting Grassroots Movements in Syria

by Leila Shrooms

The following is based on a skype presentation I gave at a panel ‘the Syrian Revolution: Grassroots Movements and Media Coverage’ organized by the MENA Solidarity Network-US and The Global Campaign for Solidarity with the Syrian Revolution, at the Left Forum in New York.

Much of the debate on Syria by people who identify as being ‘leftists’ both in the West and the Arab world has been dominated by issues most prominent in the media such as a focus on geo-politics, militarization, Islamism and sectarianism. It’s ultimately been a very State-centric discourse. Conversely there seems to be very limited knowledge or discussion about popular struggles or grassroots civil movements in Syria. This is strange because the politics of liberation should not be grounded in discussions between political leaders and States but grounded in the struggles of people for freedom, dignity and social justice.Continue Reading

Wer sind die Kommunisten wirklich?

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Von Carlos Pérez Soto, übersetzt aus dem Spanischen von Una Gatito

1. Im Jahr 1848 waren die Kommunisten diejenigen, die das Privateigentum an den Produktionsmitteln als den Ursprung der Übel des Kapitalismus ansahen. Karl Marx schlug vor, die bis dahin “Liga der Gerechten” genannte Vereinigung in “Liga der Kommunisten” umzubenennen, denn er verstand, dass es sich nicht nur um die Gerechtigkeit im Allgemeinen, in der Manier einer moralischen Forderung handelte, sondern dass es darum ging, eine direkte politische Opposition zum herrschenden System als Ganzes zu organisieren.

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Entschuldigen Sie bitte – Wie weit ist es von Simferopol nach Grosny?

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Das Original auf Englisch ist hier einzusehen

Von Laurent Moeri für Antidote, übersetzt von K. H. W.

“Wenn der Kampf vorbei ist und die Märtyrer schlafen, erheben sich die Feiglinge aus den Gassen, um uns von ihrem Heldentum zu erzählen”  -Graffiti in Homs, Syrien

Vorwort – Mission Impossible

Was folgt, ist ein Versuch des Unmöglichen: eine kritische Überprüfung der Situation in der Ukraine, der Beteiligung von Putins Russland und der Fähigkeit (oder Unfähigkeit) der internationalen Linken auf soziale Aufstände ohne bereits vorgeschriebene Botschaften zu antworten. Ich schreibe auf Grundlage einer einzigen Prämisse: dass nämlich die Opfer einer möglichen militärischen Eskalation in der Ukraine überwiegend ethnische Minderheiten sein werden: die muslimischen Krimtataren, marginalisierte Gruppen wie die Sinti und Roma, sowie die Arbeiterklasse; während die Bürokraten in Brüssel und der Zar und sein Clan in Moskau ihre jeweiligen Interessen weiterverfolgen werden. Um die Wahrscheinlichkeit dieser Vorhersage zu unterstreichen, werde ich einen Vergleich zwischen den Ereignissen in Tschetschenien und denen auf der Krim anstellen.Continue Reading